Wie alles begann…

Wie und wann die Idee zur „ersten Belmbracher Kärwa der Neuzeit“ genau entstand ist nicht überliefert. Es könnte aber bei einem sommerlichen „Schafgrillen“ des RSB (Roter Schwan Belmbrach) gewesen sein. Als „Verdächtige“ werden auf jeden Fall Michael Leuchtenmüller, Charly Schwarz und auch Willi Wunschel hoch gehandelt. Diese erstmals vage und noch fixe Idee machte im Januar 2009 schnell die Runde im Dorf. Die Älteren erinnerten sich noch mit leuchtenden Augen an die Belmbracher Wirtshauskärwa, die bis in die frühen 60er Jahre jedes Jahr eine Woche vor der Rother Kirchweih gefeiert wurde. Viele andere dachten mit Freude an die vielen verschiedenen Aktivitäten der Dorfgemeinschaft, der Belmbracher Vereine und vor allem die beiden gemeinschaftlichen und  eigentlich sehr gelungenen Dorffeste in den 1990er Jahren.

Nicht wenige standen dieser Idee eines gemeinsamen Fests (auch wegen der negativen Nachwirkungen des letzten Dorffests) zuerst mit Skepsis (was der Bauer net kennt, des frisst er net) oder sogar ablehnend gegenüber.  Mit dieser freudig-erregten und skeptisch-negativen Aufbruchstimmung wurden im Januar 2009 die ersten informellen Treffen  im Vereinsheim des RSB (jetzt „Zur Werkstatt“) vereinbart. Diese verliefen aus gegenseitiger Wertschätzung mit sehr strikten Formalitäten:  zu den Sitzungen durfte jeder Verein/ Gruppe (diese waren: Roter Schwan, Freiwillige Feuerwehr, Schützenverein, Dorfgemeinschaft, Kriegerverein) jeweils maximal zwei Teilnehmer entsenden. Das Fest sollte ein öffentliches Fest für alle Belmbracher sein und als neue, eigenständige Veranstaltung definiert werden. In der Außendarstellung sollte diesen Fest allen Belmbrachern und keinem Verein alleine „gehören“, deswegen sollte als Festplatz ein möglichst neutraler Ort gefunden werden. Das Fest sollte die Vereine, das alte und das neue Dorf miteinander verbinden. Es sollte die Freude und das Miteinander im Mittelpunkt stehen und wenn nach dem Helferfest 1 Euro übrigbleibt kann das Fest auch als finanzieller Erfolg bezeichnet werden.

Zu diesem frühen Zeitpunkt zeigte sich schon, dass der neu zugezogene Wolfgang Volkert, der zum einen wichtige Erfahrungen aus einigen Jahren Bernloher Kirchweih mitgebracht hatte, zum anderen die alten oder sogar uralten Animositäten innerhalb Belmbrachs nicht kannte, eine wichtige Rolle im Zusammenführen der verschiedenen Interessen bekleiden sollte. Lange Zeit wurde unter anderem darüber diskutiert, wie das Fest überhaupt heissen solle:  zur Auswahl standen unter anderem Kirchweih, Fränkisches Sommerfest und auch Dorffest. Das fränkische Kärwa (mit ä) setzte sich letztendlich durch, auch da unbedingt ein Baum aufgestellt werden sollte.

Auf den vom Gremium  letzendlich verabschiedeten Namen „Kärwa“ folgte umgehend die Reaktion der evangelischen Kirche. Diese sah in der Veranstaltung weder einen kirchlichen Hintergrund, da keine Kirche vorhanden ist, noch eine langjährige Tradition. Deswegen sprach sich Pfarrer Eberlein ausdrücklich gegen den Begriff „Kirchweih“ aus und bat uns dies zu überdenken. „Eure Kirchweih ist die am 2. Augustwochenende, und zwar in Roth!“ Auf die Argumentation hin, dass vom Gewinn des Fests ja irgendwann  eine Kirche, oder zumindest eine kleine Kapelle gebaut werden solle, wurde die Bezeichnung  „Kärwa“  letztendlich doch schmunzelnd durchgewunken. Aber mit dem klaren Hinweis von Herrn Dr. Eberlein: „ich will keine Spaltung. Ich will, dass ihr zusammen feiert!“   Als Termin wurde der historische Termin, der erste Sonntag im August, festgelegt.

Die Standortsuche für den Baum gestaltete sich zunächst schwierig. Sowohl der Platz vor dem Milchhaus, als auch das Gelände am Gengsbuck oder der von Stadtbauamt vorgeschlagene am Spielplatz waren aus sicherheitstechnischen bzw. organisatorischen Gründen untauglich. So bekam der Kärwabaum schließlich ein gewichtiges Fundament mit, wenn man den Zeitungsberichten glauben darf,  15 Kubikmeter Beton und seinen jetzigen Stellplatz am Belmbracher Ortseingang gut sichtbar für alle die das Dorf passieren und alle die hinein- und herausfahren.

Im ersten Jahr stand das Festzelt noch direkt neben dem Baum, allerdings war das nach dem Hausbau der Familie Schimek – aus offensichtlichen Gründen – nicht mehr möglich. Seit 2010 findet die Kärwa auf der Wiese neben dem Feuerwehrhaus und dem Dorfplatz  statt, und das ist gut so.

Bereits die erste Belmbracher Kärwa war durch die das hohe Engagement und rege Beteiligung ein voller Erfolg. Auch wenn die unerfahrenen Belmbracher Kärwaboum noch Hilfestellung von den Kiliansdorfern brauchten wurde am 01.08.2009 der erste Belmbracher Kärwabaum unter großem Jubel aufgestellt.

Den Belmbracher Vereinen, der Dorfgemeinschaft und allen Belmbrachern ist es trotz anfänglichen Schwierigkeiten gelungen eine neue Tradition in Belmbrach zu begründen, an der sich jedes Jahr jung und alt tatkräftig beteiligen und die dieses Jahr bereits 10-Jähriges Jubiläum feiert. Hoffen wir, dass wir noch viele freudige, friedliche Kirchweihen miteinander feiern dürfen!

 

Artikel: Jörg Katheder